das war das 3. interdisziplinäre MFT-Symposium in Wien
Am 6.12.2025 hat das 3. interdisziplinäre MFT-Symposium rund um das Thema Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) in Wien stattgefunden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Diagnose, Therapie und Versorgung so gestaltet werden können, dass funktionelle, strukturelle und psychosoziale Faktoren gemeinsam berücksichtigt werden. Die Fortbildung war fächerübergreifend ausgerichtet, um den interdisziplinären Austausch zwischen Zahnmedizin, Logopädie, Physiotherapie und Osteopathie zu ermöglichen. Neben Fachvorträgen und Diskussionsrunden standen auch praxisnahe Vertiefungen und Fallbeispiele auf der Agenda. Besonders wichtig für mich ist auch stets der kollegiale Austausch, wie zum Beispiel mit der Kieferorthopädie. Ich freue mich sehr, dass das MFT-Symposium 2025 so gut angekommen ist
Vorträge und Vertiefungen aus dem interdisziplinären Team: Logopädie, Kieferorthopädie, Zahnmedizin, Physiotherapie, Osteopathie
Craniomandibuläre Dysfunktionen sind ein komplexes Störungsbild, das weit über den Kiefer hinausgeht – mit Auswirkungen auf die gesamte Kopf-, Nacken- und Schultermuskulatur, das Kau- und Schlucksystem und das Sprechen. Gerade bei CMD führt an interdisziplinärer Zusammenarbeit kein Weg vorbei – sie ist hier nicht nur sinnvoll, sondern unabdingbar. Gleichzeitig beobachten viele Praxen einen deutlichen Anstieg von CMD-Fällen, während dieser Behandlungsbereich in vielen Ausbildungsstätten curricular bislang kaum verankert ist. Umso wichtiger ist es, fundiertes Wissen und praktische Erfahrungen zwischen den Disziplinen zu teilen. Genau das war das zentrale Thema des MFT-Symposiums 2025.
Dr. med. dent. Claudia Ricken – „Einführung CMD“
Im Fokus des Vortrags von Dr. med. dent. Claudia Ricken, „Einführung CMD“, standen die Zusammenhänge zwischen Okklusion, Kiefergelenk, Muskulatur, Atmung, Haltung und vegetativem Nervensystem. Besonders deutlich wurde, dass Symptome wie Kopf-, Nacken-, Gesichts- und Rückenschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche oder Schluckauffälligkeiten häufig Ausdruck eines funktionellen Gesamtgeschehens sind.
Ein zentrales Thema war hier die Behandlungskette zwischen Kiefer und Gesamtstatik des Körpers. Beschrieben wurden Zusammenhänge zwischen Okklusionsstörungen, muskulären Spannungsmustern, Körperhaltung und Koordination. Vorgestellt wurden kurze, praxistaugliche Screenings zur frühzeitigen Einordnung funktioneller Dysbalancen, die helfen können, den Bedarf an weiterführender interdisziplinärer Diagnostik zu erkennen.
Alice Hofer – „Orofaciale und craniomandibuläre Dysfunktionen: Differenzierung & Zusammenhänge“
Alice Hofer erklärte die Begriffe orofaciale Dysfunktion, myofunktionelle Störung und craniomandibuläre Dysfunktion und grenzte sie klar voneinander ab. Sie beschrieb typische Symptome und Funktionsstörungen, die unter anderem beim Kauen, Sprechen, Schlucken oder Atmen auftraten. Der Vortrag zeigte die engen Zusammenhänge zwischen den Störungsbildern und hob ihre wechselseitigen Einflüsse hervor.
Weiters hat Alice Hofer in ihrem Vortrag Ansätze zur aktiven Selbsthilfe durch die Patient:innen, darunter Atem- und Entspannungstechniken sowie Strategien zur Regulation der orofazialen Muskulatur, vorgestellt.
Dr. med. dent. Markus Spalek – „Vom Kiefer zum Körper – Ursachengerichtete zahnärztliche Funktionstherapie
Dr. Markus Spalek erklärte, wie ein gestörter Biss komplexe Beschwerden im ganzen Körper auslösen kann, etwa Verspannungen, Kopfschmerzen oder Haltungsschäden. Er beschrieb die Ursachen und typischen Symptome von Funktionsstörungen im Kausystem und stellte die Mago-Therapie als präzise, ursachengerichtete Behandlungsmethode vor. Dr. Spalek erläuterte, wie die Kieferfunktion die Muskelaktivität, Körperstatik und Artikulation beeinflusst und funktionelle Belastungen an den Zähnen ablesbar sind. Sein Vortrag machte deutlich, weshalb die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei Themen rund um den Mund essenziell ist.
Dr. Bernhard Taxer – „Quo vadis CMD – Wie gelingt es gemeinsam?“
Dr. Bernhard Taxer beleuchtete CMD als vielschichtiges Störungsbild, das funktionelle, strukturelle und psychogene Faktoren vereinte. Dabei wurde die Bedeutung der Halswirbelsäule und der Zungenfunktion für das Kiefergelenk wurde vertieft. Dr. Taxer betonte die Notwendigkeit eines biopsychosozialen Verständnisses und der engen interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Physiotherapie, Logopädie, Zahnmedizin, Kieferorthopädie, Schmerzmedizin und Psychotherapie. Sein Vortrag stellte den patient:innenzentrierten Ansatz in den Mittelpunkt und zeigte auf, wie somatische und psychosoziale Einflussfaktoren gemeinsam berücksichtigt werden konnten. Ergänzt wurde dies durch praktisch anwendbare Übungsansätze für den therapeutischen Alltag.
Prof. Dr. Ulla Beushausen – „Logopädie bei CMD im Zusammenhang mit anderen logopädischen Störungsbildern"
Prof. Ulla Beushausen zeigte auf, wie weit verbreitet Zähneknirschen, Pressen und daraus resultierende Kieferschmerzen sind und wie diese zu CMD führen können. Sie betonte die zentrale Rolle der Logopädie im interdisziplinären CMD-Behandlerteam und erläuterte logopädische Methoden wie Entspannungs- und Atemtechniken sowie aktive Muskelentspannung. Der Vortrag stellte den Bezug zu weiteren logopädischen Störungsbildern her und vermittelte ein umfassendes Verständnis therapeutischer Ansätze.
Dr. med. dent. Hamide Farshi – „Volkskrankheit CMD – Wenn eine Fehlstellung der Kiefergelenke den ganzen Körper aus dem Gleichgewicht bringt“
Dr. Hamide Farshi zeigte anhand eines Patientenfalls, wie vielfältig und oft unerkannt die Symptome einer CMD waren – etwa Rücken- und Knieschmerzen, Nackenverspannungen oder Ohrgeräusche. Sie verdeutlichte, wie eine Fehlstellung der Kiefergelenke den gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringen konnte und warum viele Betroffene sowie Behandler diese Zusammenhänge nicht erkannten. Der Vortrag sollte Bewusstsein für Diagnostik, typische Beschwerdebilder und wirksame Behandlungsmöglichkeiten schaffen.
Alice Hofer & Astrid Medlitsch – „Dreamteam Logopädie & Osteopathie bei CMD – Die interdisziplinäre Vorgehensweise step by step“
Alice Hofer und Astrid Medlitsch demonstrierten anhand eines Fallbeispiels die enge Verzahnung zwischen logopädischer und osteopathischer Herangehensweise bei CMD. Sie zeigten Schritt für Schritt, wie beide Berufsgruppen Befundung, Therapieplanung und Behandlung koordinierten und erläuterten die zugrunde liegenden Überlegungen. Der Vortrag unterstrich, weshalb CMD-Patient:innen besonders stark von einer interdisziplinären Zusammenarbeit profitieren.
Zusätzlich zu den Vorträgen gab es im Rahmen des MFT Symposiums auch praktische Vertiefungen von Anna Wiederänders (Osteopathin/Physiotherapeutin und Silke Roddewig (online).
Silke Roddewig erklärte, wie Haltung und Bewegungsmuster im Halswirbelsäulenbereich sowie die Zungenposition die Beweglichkeit und Ruheposition des Kiefergelenks beeinflussen. Nach einer theoretischen Einführung entwickelte sie gemeinsam mit den Teilnehmenden Übungen für den logopädischen und physiotherapeutischen Alltag. Ziel dieser Übungen ist es, durch gezielte Aktivierung der Hinterzungenretraktion, -elevation und Nackenaufrichtung optimale Voraussetzungen für CMD-Patient:innen zu schaffen.
Anna Wiederänders beschrieb die komplexe Symptomlandschaft von CMD und orofazialen myofunktionellen Störungen, die viele verschiedene Fachbereiche betrifft. Sie zeigte, dass bei Beschwerden wie Migräne, Schwindel oder Ohrenschmerzen eine CMD/OMS als möglicher Einflussfaktor häufig übersehen wird. In ihrer praktischen Vertiefung demonstrierte Anna Wiederänders, wie anhand weniger schneller Tests festgestellt werden kann, ob eine CMD oder OMS vorliegt und durch diese Erkenntnis die Therapie effizienter gestaltet werden kann.
Ein toller Abschluss des Jahres
Unser Ziel ist, interdisziplinär zu denken und zu handeln und die Vernetzung der Berufsgruppen zu ermöglichen. Daher sind unsere Fortbildungen darauf ausgerichtet, auch angrenzenden Fachbereichen, wie zum Beispiel Kieferorthopädie, HNO-Heilkunde oder Physiotherapie, aktuellste relevante Erkenntnisse zu vermitteln. Das ist uns mit dem MFT-Symposium sehr gut gelungen. Das hybride Format hat sich erneut bewährt und wird auch weiterhin für die meisten Veranstaltungen des MFT Zentrums beibehalten
Wir bedanken uns bei allen Referent:innen, die das MFT- Symposium 2025 zum Erfolg gemacht haben:
Ausführliche Informationen zum gesamten Symposium und die Abstracts zu den Vorträgen und Vertiefungen finden Sie HIER.
Interdisziplinäre Fortbildung: so geht es 2026 im MFT Zentrum weiter
Unser Veranstaltungskalender ist auch für 2026 bereits mit spannenden und hochwertigen Fortbildungen gespickt. Alle Informationen sind jederzeit in unserem Online Kalender zu finden.